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verfahren

Zirkuläre Pflichtenauslösung

Professionally recognised · Widely cited in literature

Pflichten entstehen nicht durch nachgewiesene Handlungen, sondern durch Interpretation oder Vermutung. Die Verwaltung erschafft Realität durch Unterstellung.

Zirkuläre Pflichtenauslösung beschreibt den Mechanismus, bei dem Verwaltungen Rechtspflichten aus Vermutungen oder mündlichen Äußerungen ableiten, ohne dass die zugrundeliegende Handlung tatsächlich stattgefunden hat.

Beispiel aus dem Dossier:
Aus einer mündlichen Überlegung des Antragstellers über einen möglichen Ortswechsel konstruiert das Jobcenter eine "angekündigte Abmeldung". Diese fingierte Abmeldung begründet einen neuen Bewilligungsabschnitt – und damit eine neue EKS-Pflicht – obwohl:
- keine schriftliche Abmeldung vorliegt
- kein Ortswechsel stattgefunden hat
- das Leben ununterbrochen im gleichen Haushalt stattfand

Der Staat erschafft eine Pflicht, indem er eine Handlung unterstellt, die nie vollzogen wurde.

Aus dem Dossier 2025: "Verwaltung schafft Realität – nicht auf Grundlage von Dokumentation, sondern auf Grundlage von Interpretation."

Academic foundations

  • Niklas Luhmann Soziale Systeme (1984) Suhrkamp Selbstreferenz: Systeme erzeugen ihre eigenen Prämissen und schließen externe Korrekturen strukturell aus
  • Chris Argyris & Donald A. Schön Organizational Learning: A Theory of Action Perspective (1978) Addison-Wesley Single-loop learning: Systeme reagieren auf Fehler durch Wiederholung der eigenen Logik statt Prüfung der Prämissen